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Pressespiegel "Kritische Berichte - und eine Kritik der Kritik"
Eppendorfer Ausgabe 05/2012 - Kritische Berichte - und eine Kritik der Kritik
Was Tagesspiegel und Stern bemängelten und was der Brücke SH-Chef dagegenhielt

BERLIN/KIEL (hin). "Hilflose Helfer - Wenn Politik den Missstand verwaltet" übertitelte der Tagesspiegel im Vorjahr einen Bericht, indem die Journalistin und Sozialpädagogin Barbara Schönherr u. a. selbst gewonnene Inneneinblicke während einer Anstellung bei einem Jugendhilfeträger veröffentlichte. Der Familienhelfer habe von dem freien Träger, bei dem er angestellt ist, oft ausgesprochene Anweisung, Maßnahmen "so lange wie möglich am Laufen zu halten". Schließlich verdiene der Träger daran. Da der Familienhelfer sowieso ohne Plan und nicht im Austausch mit dem Jugendamt agiere, könne er ganz nach seinem eigenen Gusto handeln und die Problembearbeitung auf die lange Bank schieben, beziehungsweise, sie gar nicht erst angehen. Sie zitiert Wolfgang Hinte, Professor für Sozialarbeitswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen, der kritisierte: "Wir haben ein Finanzierungssystem, das eher denjenigen Träger belohnt, der Fälle länger hält, aber keines, das den Träger belohnt, der gut und zügig arbeitet." Betriebswirtschaftlich sei das ein System, das dazu führe, dass die Träger immer wieder neue Fälle brauchen, um ihre Existenz sichern zu können. Hinte spricht sich daher für ein festes Budget anstatt fallbezogener Abrechnung aus. Effizienter und effektiver wäre aus seiner Sicht mehr Jugendamtsmitarbeiter mit niedrigerer Fallbetreuungszahl und weniger freie Träger, aber die dann mit festem Budget.

"Von wegen selbstlose Samariter - helfen ist ein Geschäft- und was für eines", mit derartigen Aussagen hatte zuvor Stern-Autor Walter Wüllenweber unter der Überschrift "Die Hilfsindustrie" die Sozialbranche provoziert. Diese sei in den vergangenen fünfzehn Jahren siebenmal schneller gewachsen als die gesamte Wirtschaft. Bei einem geschätzten Jahresumsatz von 115 Milliarden Euro beschäftige die größte deutsche Branche knapp zwei Millionen Menschen. Auch hier würden sich immer mehr knallharte Manager finden, die Strategien entwickelten, um aus Überschüssen Wachstum zu generieren, gab er einen Insider wieder. Wüllenweber wiederum macht als Ursprung dieser Entwicklung die Ablösung des Kostenerstattungsprinzips durch die Pauschale aus. Sie habe den Einzug betriebswirtschaftlichen Denkens, von Profitorientierung und Arbeitnehmerausbeutung gebracht. Ziel: günstiger zu arbeiten, um mehr von der Pauschale übrig zu behalten. Und neue Hilfsangebote zu installieren, von denen es viele nicht gebe, weil sie notwendig seien, sondern weil sie finanziert würden, zitiert er einen AWO-Vertreter. Als weiteres Problem beschrieb Wüllenweber Intransparenz und mangelnde Steuerung. Als Hintergrund machte er Politverflechtungen aus. 35 Prozent aller Bundestagsabgeordneten hätten eine Vorstands- oder Leitungsfunktion in einem Hilfsunternehmen.

Wüllenweber bekam viele Reaktionen auf den Bericht. Auch Wolfgang Faulbaum-Decke, Geschäftsführer der Brücke Schleswig-Holstein gGmbH, äußerte sich. Er kreidete dem Bericht in einem so nicht veröffentlichten Leserbrief an, aus "streckenweise zynischen Bewertungen" und "voreiligen Interpretationen" falsche Rückschlüsse gezogen zu haben. Erstellt der Darstellung einen Alltag entgegen, in dem die Hürden zur Inanspruchnahme von staatlichen Hilfen immer höher würden. Indem sehr wohl Transparenz herrsche: "Regelmäßig im Jahr sind Wirtschaftsprüfer bei uns im Haus, um jede noch so kleine Aufwendung zu überprüfen." Überschüsse seien notwendig, um Zeiten schlechter Auslastungen zu überstehen, wenn Leistungsträger "spontanistisch Sparpolitik (betreibend auf Betreuungsqualität verzichten und Billiganbieter nutzten und berechtigte Anspruche über Monate hinweg verweigerten - "und wir diese erfolgreich für betroffene Menschen einklagen". Kein Unternehmen der Wohlfahrtspflege könne einfach entscheiden, eine neue Einrichtung aufzubauen, wenn das der Leistungsträger nicht später auch durch eine ausreichende Belegung unterstützt. Insofern sei in erster Linie der Leistungsträger für das Angebot entscheidend. Die Zwickmühle der gesellschaftlichen Erwartungen stellt er so dar: Einerseits sollen die Träger Menschen in sozialen Nöten schnellstmöglich angemessen helfen - andererseits Kosten senken und sich reduzieren.

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