Leitlinien

Fachliches Grundverständnis

Immer mehr verbreiteten sich Ideen gemeindepsychiatrischer Versorgung. Großen Einfluss hatten die Erfahrungen aus Großbritannien, wo bereits in den 50er Jahren Großkrankenhäuser verkleinert oder aufgelöst wurden, und stattdessen Tageskliniken, Ambulante Zentren usw. wohnortnah entstanden.

Aber auch die radikale Psychiatrie-Reform in Italien spielte in den Diskussionen eine große Rolle. Schleswig-Holstein blieb Schlusslicht in der bundesdeutschen Entwicklung. Am großen Modellprogramm Psychiatrie nahm die Schleswig-Holstein nicht teil. So fehlten zunächst Impulse für eine Weiterentwicklung im Land.

„Brücke“ – Übergänge schaffen

Veränderung kam durch Mitarbeiter/innen psychiatrischer Einrichtungen, engagierte Bürger/innen und Angehörige, die sozialpsychiatrische Hilfsvereine gründeten, um vor Ort konkrete Hilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen zu leisten.

Die ersten Versuche, Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, waren sehr schwer. Erst mit Hilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes gelang endlich der Durchbruch. Es entstanden zunächst Treffpunkte, Begegnungsstätten und Wohngemeinschaften.

Viele dieser Hilfsvereine entschieden sich bei der Suche nach einem Namen für die Bezeichnung „Brücke“. Das Bild einer Brücke drückt gut das Anliegen aus:
Übergänge schaffen zwischen Kliniken und Gemeinde, Trennendes zwischen Menschen überwinden. In dieser Tradition ist die Brücke SH entstanden und die Werte der Sozialpsychiatrie prägen uns noch heute.

Sozialpsychiatrisch orientierte Angebote

Für uns ist erst eine Gesellschaft vollständig und „normal“, die ihre kranken oder behinderten Mitglieder integriert. Wir wollen dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft den Wert der Vielfalt erkennt, Verschiedenheit als Teil des Ganzen versteht und psychisches Leiden nicht abspaltet.

In diesem Sinne gestaltet die Brücke SH als sozialpsychiatrisch orientiertes Dienstleistungsunternehmen ihre Angebote. Die nachfolgenden Grundsätze sind für unsere Arbeit bestimmend:

  • Übernahme von Versorgungsverantwortung in der Region
  • Entwicklung und Gestaltung eines niedrigschwelligen, gemeindezentrierten Netzwerkes an Hilfen
  • Lebensweltorientierte Ausrichtung der Hilfen
  • Personenzentrierte Ausrichtung der Hilfen: subjekt- und beziehungsorientierte Angebote anstelle einer institutionellen, objektorientierten Ausrichtung
  • Ganzheitliche Hilfen nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen
  • Sicherstellung von Betreuungskontinuität über Einrichtungsgrenzen hinweg durch Komplexleistungsangebote bzw. integrierte Angebote
  • Bedeutung der individuellen Biografie: „aus einem Fall eine Lebensgeschichte machen“
  • Anknüpfung der Hilfen an bestehende Ressourcen, Fähigkeiten, Netzwerke
  • Beachtung der individuellen Rechte auf angemessene Wohn- und Lebensräume, angemessene Tätigkeit, autonome Lebensgestaltung, gesundheitliche Stabilität, soziale Teilhabe
  • Konstruktive Gestaltung des kommunalen Miteinanders