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PRESSE - KREIS DITHMARSCHEN
Pressespiegel - Tiefenpsychologie trifft auf Verhaltenstherapie
Eppendorfer, Ausgabe 11 & 12 2017, Seite 11, www.eppendorfer.de

Heide: Kooperation jenseits von klassischen Grenzen - so geht‘s

Innovatives Dithmarschen: Im Rahmen des Regionalen Psychiatrie-Budgets arbeiten die kleine Tagesklinik der Brücke Schleswig-Holstein und das Westküstenklinikum erfolgreich zusammen.

HEIDE. Türmchen, verschachtelte Giebel, Sprossenfenster, Fassade in Fachwerkoptik, Holzveranda, Ornamente: Der über 100 Jahre alten Jugendstil- Villa wäre ihr Innenleben nicht anzusehen, hinge draußen nicht das Schild „Psychiatrische Tagesklinik mit Institutsambulanz“. Seit rund 15 Jahren gehört die Stadtvilla mit der Anmutung „einer Lindgren‘schen Villa Kunterbunt“ inmitten der Dithmarscher Kreisstadt zur Brücke Schleswig-Holstein: „Hier is man mit Leev un Seel dorbi“, charakterisierte Kreispräsident Hans-Harald Böttger die ungewöhnliche Klinik. Er gehörte zu den Gästen eines Empfangs aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens. Sie sei ein Vorbild für psychiatrische Versorgung, so Böttger.
Die Einrichtung hebt sich mit mehreren Besonderheiten hervor: Sie ist seit 2008 Partnerin des Westküstenklinikums WKK Heide im Regionalen Psychiatrie-Budget in Dithmarschen. Für Menschen mit seelischen Behinderungen stehen feste, bedarfsgerecht einzusetzende Beträge zur Verfügung. „Das ermöglicht uns individuelles Arbeiten, einzelne Leistungen müssen nicht beantragt werden“, so Beate Hüttemann - die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie leitet die Klinik seit zwei Jahren. Die Grenzen in der psychiatrischen Versorgung zwischen stationär, teilstationär und ambulant sind hier aufgehoben. Beate Hüttemann hat ein heterogenes Team zusammengestellt. Als sie nach Heide kam, waren Systemiker tonangebend. Unter der neuen Leitung treffen jetzt Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie aufeinander. „Wir suchen individuelle Wege im Sinne der Patienten über die Grenzen der klassischen Schulen hinaus.“ Das therapeutische Spektrum wurde unter anderem auch um Angebote nonverbaler Methoden wie Yoga, Achtsamkeit und Resilienz ergänzt. Derzeit strebt die Klinik eine Qualifizierung für die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) an. „Wir wollen verstärkt nach draußen gehen, in der Vergangenheit hatten wir uns zu lange zurückgezogen.“ Es gelte, Alternativen zu entwickeln und zu experimentieren, die Menschen nach ihren Bedürfnissen zu befragen.
Einmal pro Woche sucht das Team etwa Arztpraxen auf, um dort Patienten zu beraten. Das Angebot weitet sich auch in Richtung Home-Treatment aus. „Wenn Patienten in einer Krise sind, fahren wir zu ihnen hin.“ Eine Rufbereitschaft ermögliche dieses auch nachts und an Wochenenden. Zunehmend kommt auch die Adoleszenz-Psychiatrie in den Fokus: Junge Heranwachsende sollen künftig einen neuen Schwerpunkt psychiatrischer gemeindenaher Versorgung bilden. Bereits der Standort der Klinik und deren unklinische Atmosphäre tragen, so Beate Hüttemann, dazu bei, die Schwelle für Hilfesuchende zu senken.
Die in Heide angebotenen Therapieeinheiten im ambulanten und teilstationären Bereich reichen von der Gruppenpsychotherapie, sozialem Kompetenztraining und Ergotherapie über Bewegungs-, Sport und Entspannungsangebote bis zu sozialpädagogischer Beratung und Musiktherapie. Die Tagesklinik bietet 16 Plätze, die Institutsambulanz wird von rund 400 Patientinnen und Patienten aufgesucht „Als Brücke sind wir natürlich sehr stolz auf das, was hier geleistet wird“, sagte der Brücke-Geschäftsführer Wolfgang Faulbaum-Decke beim Empfang. Die Kooperation mit dem Westküstenklinikum in Heide sei eine gut gelingende Partnerschaft. „Wir überwinden unsere jeweiligen Einzelinteressen.“ In diesem Zusammenhang dankte er auch dem WICK Chefarzt.Dr. Thomas Birker, dem der Aufbau mit zu verdanken sei.
Auch Thomas Birker hob die gelingende Kooperation hervor. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz. Jeder hat seine Art zu arbeiten, aber wir sitzen durch das Regionalbudget in einem Boot.“ Das Regionalbudget endet übrigens im Jahr 2020, in absehbarer Zeit werden neue Verhandlungen für die Zukunft beginnen.
Michael Göttsche

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