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PRESSE - KREIS DITHMARSCHEN
Pressespiegel - "Jenseits der Kästchen denken"
Eppendorfer 02/2015, Seite 6, Esther Geißlinger

Brücken-Schlag In Dithmarschen: Erstmals Regionalbudget innerhalb der Gemeindepsychiatrie

Im Kreis Dithmarschen sollen Heimplätze für psychisch Kranke abgebaut und ambulante Hilfen ausgebaut werden. Möglich macht dies das Modellprojekt Inklusion, für das sich die Brücke Schleswig-Holstein und der Kreis zusammengetan haben. Erstmals erhält der Träger der Freien Wohlfahrt ein Regionalbudget, wie es .bisher nur mit Kliniken vereinbart wurde. Landesweit einmalig, werden damit die bestehenden Grenzen in der Versorgung zwischen dem Sozialgesetzbuch XII und SGB V überwunden. Ziel ist es auch, die Eingliederungshilfe mit Leistungen der Krankenversicherungen zu verknüpfen.

HEIDE/KIEL. Die Wände in sattem Hellrot, die Fensterrahmen violett, die Mauervorsprünge in blau-grau abgesetzt: Das „Bunte Haus“ in der Heider Fußgängerzone macht seinem Namen alle Ehre. Aber der Grund, warum Liane Junge beim Anblick des Hauses
"das Herz aufgeht", ist ein ganz anderer: "Wenn man reinkommt, sitzen da Menschen aus unseren Einrichtungen zusammen mit Heider Bürgerinnen und Bürgern, klönen und trinken Tee", sagt die Verbundmanagerin der Brucke Schleswig-Holstein (SH) im Kreis Dithmarschen. Inzwischen entwickele sich das Haus, in dem psychisch Kranke ambulant
und stationär betreut werden und Beschäftigte der Brucke ihre Arbeitszimmer haben, zu einem Treffpunkt für die ganze Stadt. Möglich machen das eine Bücher-Tauschbörse, Yoga-Kurse und Konzerte. Die Aktivitäten im „Bunten Haus“ sind ein sichtbares Element einer Strukturveränderung, auf die sich die Brücke Schleswig-Holstein und der Kreis Dithmarschen geeinigt haben. In einem Modellprojekt sollen die Hilfen für Menschen mit psychischen Krankheiten flexibler werden. Möglich ist das dank des Regionalbudgets, über das Pauschalen abgerechnet werden können. Das Ziel ist, die stationären Plätze in gemeindepsychiatrischen Einrichtungen deutlich zu verringern. 235 voll- und 50 teilstationäre Wohnheimplätze für psychisch Kranke gibt es zurzeit im Kreis Dithmarschen. 94 davon befinden sich in Wohnhäusern der Brücke SH. Ein Teil der Bewohner könnte in naher Zukunft in eine eigene Wohnung oder eine WG ziehen. Daniela Erdmann, Leiterin des Fachdienstes Eingliederungshilfe des Kreises Dithmarschen, erklärt: „Das Projekt möchte die Selbstständigkeit der Betroffenen fördern und ihnen Alternativen zur stationären Versorgung aufzeigen.“ Wichtig sei dabei die Freiwilligkeit. Das bestätigt auch Liane Junge: „Wir suchen gemeinsam nach Wegen. Alle, die es wollen, durchlaufen eine persönliche Zukunftsplanung.“ Zurzeit ist die Nachfrage groß. Bleibt es so und läuft alles gut an, könnten am Ende zwei Drittel der Heim-Plätze verschwinden. Die Leistungen sollen dabei nicht geringer werden, sondern für ambulante Hilfen verwendet werden. Das könne auch ein Kursus an der Volkshochschule oder das Angebot eines anderen Trägers sein, so Junge: „Zurzeit kann es vorkommen, dass an einem Mittwoch drei Kochkurse stattfinden, aber ab Freitag Mittag nichts mehr angeboten wird. Es ist sinnvoll, dass wir Träger uns vernetzen und über unsere Grenzen zusammenarbeiten." Möglich wird das, weil nicht mehr jede Leistung individuell und stundengenau abgerechnet wird, sondern die Brucke SH ein Budget erhält, mit dem sie freier arbeiten kann: „Wenn einer unserer Nutzer vom Heim in eine eigene Wohnung zieht, muss der Platz nicht schnell wieder besetzt werden, sondern die Personalstunden gehen in den Aufbau: ambulanter Strukturen“ , sagt Junge. Das erfordert von allen Beteiligten Flexibilität und die Bereitschaft, sich auf Neues einzustellen. „Jenseits der Kästchen denken“, nennt Junge als Motto des Projekts, das bis 2019 läuft und von der Stiftung Mensch unterstützt wird. Kooperationspartner sind neben dem Kreis auch die Brücke Dithmarschen und das Westküstenklinikum, das bereits seit längerem mit
einem Regionalbudget arbeitet (der EPPENDORFER berichtete). Neben der Trennung zwischen ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen soll auch die Hürde
zwischen Leistungen der Eingliederungshilfe und der medizinischen Versorgung überwunden werden, die aus verschiedenen Töpfen bezahlt werden. Dafür wurden bereits die vertraglichen, strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen gesetzt. Entsprechende Verträge für das Modellprojekt unterzeichneten Jörn Klimant, Landrat des Kreises Dithmarschen, und Brücke-Geschäftsführer Wolfgang Faulbaum-Decke.

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