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PRESSE - KREIS DITHMARSCHEN
Pressepiegel - Modellprojekt: Mehr Angebote in der Gemeinde-Psychiatrie
Norddeutsche Rundschau, 29.01.2015, Seite 6, Angela Schmid

Neue Finanzierungsstruktur soll Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten verbessern / „Buntes Haus“ in Heide geplant

HEIDE Der Kreis Dithmarschen bricht starre Finanzierungsstrukturen auf, um Menschen mit psychischen Erkrankungen eine optimalere Betreuung zu ermöglichen. Dabei dreht es sich allerdings nur um die Frauen und Männer, die vom Kreis eine Eingliederungshilfe erhalten. Bisher stritten sich Kreis und Träger um die Art der Betreuung - ob ambulant, stationär oder teilstationär. Denn die Kosten sind hoch. Insgesamt 30 Millionen Euro fließen in die Eingliederungshilfe - rund sieben Millionen Euro davon in die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen, die aus der Akut-Behandlung entlassen wurden. Tendenz steigend. Insgesamt betreut der Fachdienst Eingliederungshilfe 345 Leistungsberechtigte, davon werden 274 in Dithmarschen versorgt. Jetzt haben sich Wolfgang Faulbaum- Decke, Geschäftsführer der Brücke Schleswig-Holstein, und Landrat Dr. Jörn Klimant auf ein pauschales Abrechnungssystem geeinigt, dass bei Bedarf angepasst wird. „Wir waren bisher in einem System gefangen, dass den Menschen nicht gerecht wurde“, so Klimant. Mit dem bundesweit einmaligen Modell kann der Kreis die Kosten besser im Auge behalten und die Brücke hat mehr Flexibilität und Handlungsfreiheit bei der Betreuung der erkrankten Menschen. Dazu gehört auch, dass ambulante Angebote in der Gemeinde-Psychiatrie gemeinsam ausgebaut und neben der stationären Betreuung auch ambulante Wohnformen und niederschwellige Beratung gefördert werden. „Damit haben wir etwas Beispielhaftes gemacht und sind den anderen voraus“, lässt Klimant keinen Zweifel an der Bedeutung des Projekts. „Wichtig dabei ist, dass dieses Angebot auf Freiwilligkeit für die Betroffenen beruht. Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen selbst bestimmen können, was für sie der richtige Weg ist. Wir helfen und beraten unsere Klienten bei der Lösungssuche“, betont Daniela Erdmann, Leiterin des Fachdienstes Eingliederungshilfe. Als Verbundmanagerin koordiniert Liane Junge das Projekt vor Ort: „Der Wunsch und Wille nach Selbstbestimmung und Freiwilligkeit ist für uns eine große Gemeinsamkeit im Projekt und ein hohes Gut. Fachlich sprechen wir vom personenzentrierten Ansatz. Das heißt, dass wir mit dem Hilfesuchenden in seinem Lebensumfeld nach seinem Wunsch zusammenarbeiten und dabei ihm wichtige Personen einbeziehen. Wir werden gemeinsam neu denken, uns von Altem trennen, die Gesellschaft bereichern, aber auch mehr einbinden. So benötigen wir als Ersatz für die sich wandelnde vollstationäre Tagesstruktur auch niederschwellige Arbeitsmöglichkeiten für die Zielgruppe.“ „Die bisherige Hilfe ist nicht mehr zeitgemäß“, bringt es Faulbaum-Decke auf den Punkt. Eine Weiterentwicklung des bisherigen Systems sei daher notwendig. Für ihn ist dies ist ein Leuchtturmprojekt, von dem er hofft, dass dies auch bundesweit ausstrahlt. Bisher gebe es in Deutschland nur wenige gute Modelle mit einem Budget-Charakter, so Faulbaum-Decke. „Das regionale Versorgungsnetz ist zukunftsweisend - es unterstützt dank seiner Flexibilität und individuellen Förderung die Inklusion“, ergänzt Klimant. Die Brücke, die im Kreis Dithmarschen 94 von insgesamt 285 Plätzen stellt, ist der Vorreiter und aus Sicht von Klimant ein kompetenter Partner, um das Vorhaben voranzubringen. Der Landrat hofft jedoch, dass auch andere Anbieter nachziehen, wenn das Projekt funktioniert. „Hilfe zur Selbsthilfe ist ein wichtiges Ziel des Modellvorhabens. „Besonders für chronisch Erkrankte, die in erster Linie stationär betreut werden, wollen wir gemeinsam im Kreis Dithmarschen Strukturen inklusiv weiterentwickeln. Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen künftig mehr Wahlmöglichkeiten haben und das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention stärker als bisher wahrnehmen können“, so Daniela Erdmann, Leiterin des Fachdienstes Eingliederungshilfe. Der Startschuss für das fünfjährige Modellvorhaben war bereits im Frühjahr 2014. Bisher wurden Details verhandelt, weitere Unterstützer wie das Westküstenklinikum Dithmarschen und die Stiftung Mensch gewonnen sowie an ersten Zielen und Teilprojekten
gefeilt. So ist unter dem Arbeitstitel „Stadtteilhaus“ ein niederschwelliges Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen geplant. Das Wohnhaus in der Norderstraße der Brücke in Heide soll in ein „Buntes Haus Wohnen und Beratung“ für weitere Dienstleistungen und Angebote umgewandelt werden. So soll es einen Tagestreff und Beratung für Menschen mit psychischen Erkrankungen geben. Angela Schmid

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