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PRESSE - KREIS DITHMARSCHEN
Pressespiegel
Dithmarscher Landeszeitung, 09.03.2009 - Wenn Menschen mit Behinderungen Freiräume brauchen - Integrationsdienst "Die Brücke" hilft bei Problemen am Arbeitsplatz - Vor allem Frauen bleiben Chancen oft verschlossen Heide - Eine schwere Krankheit oder ein plötzlicher Unfall - das sind laut dem Statistischen Bundesamt die häufigsten Ursachen für eine Behinderung. Diese körperliche oder seelische Beeinträchtigung hat Folgen - auch im Erwerbs­leben. Besonders Frauen haben es schwer.

"Es besteht bereits eine strukturelle Benachteiligung von Frauen im Berufsleben zum Beispiel hinsichtlich eines beruflichen Wiedereinstiegs nach der Familienphase, der Entlohnung oder dem hohen Anteil von Frauen in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen", erklärt Brigitta Coyle, Diplom-Sozialpädagogin beim Heider Integrationsdienst der Brücke Schleswig-Holstein. Eine körperliche Beeinträchtigung beschränke diese Frauen zusätzlich.

"Gerade in Betrieben, in denen Produktivität im Vordergrund steht, gibt es oft Unverständnis, wenn Menschen mit einem Handicap bestimmte Freiräume brauchen", sagt Coyle. Ihr Kollege, Diplom-Sozialpädagoge Sönke Guldager, nennt ein Beispiel: "Eine Verkäuferin, die an starker Diabetis litt, musste sich regelmäßig Insulin spritzen und anschließend ihre Arbeit für eine kurze Zeit unterbrechen", erzählt Guldager. Aufgrund dieser Ruhezeiten konnte sie aber nicht so viel leisten. "Der Integrationsfachdienst der Brücke Schleswig-Holstein begleitet zum Beispiel Menschen an ihrem Arbeitsplatz, wenn sie befürchten, dass er aufgrund ihrer Behinderung gefährdet sein könnte", ergänzt Coyle. In diesem Beispiel räumte das Geschäft seiner Mitarbeiterin die nötigen Ruhephasen schließlich ein. "Manchmal hilft es, wenn man von außen vor Ort die besondere Situation an­spricht", sagt Coyle. Betroffenen falle das meist schwer.

Begleitung, Arbeitsplatz-vermittlung oder Beratung durch den Integrations-fachdienst steht allen körperlich oder seelisch beeinträchtigten Frauen wie Männern offen. Allerdings waren 2008 von 130 Nutzern nur 46 Frauen.

Mögliche Gründe: "Zunächst können nur Menschen begleitet oder vermittelt werden, die einen Schwerbehinderten-ausweis besitzen oder von der Arbeitsagentur gleichgestellt worden sind", erklärt Coyle. Rund 73 000 Menschen sind das insgesamt in Dithmarschen, Nordfriesland, Pinneberg und Steinburg. Eine Gleichstellung erfolge bei mindestens einer Behinderung von 30 Prozent und wenn ein Unternehmen einen Arbeitsplatz in Aussicht stelle oder einen bestehenden sichere.

Vielen Menschen ist dieser Ausweis bekannt, aber sie kennen die individuellen Vorteile nicht. Außerdem ist häufig kein Kostenträger für einen beruflichen Wiedereinstieg von Frauen zuständig, wenn sie überwiegend in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen gearbeitet haben", so Coyle weiter. Somit bleiben Frauen viele Leistungen verschlossen. Zwar schreibe das Sozialgesetzbuch 9 vor, explizit die Lebens-situationen von körperlich eingeschränkten Frauen zu berücksichtigen, "aber wir befinden uns noch immer im Umsetzungsprozess",
bedauert die Sozialpädagogin.

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