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10.07.2020
Positive Erfahrungen über ein Ergotherapie-Praktikum in Zeiten von Corona
Itzehoe, Juli 2020: Im Rahmen meiner Ergotherapie-Ausbildung durfte ich vom 18.05.-10.07.2020 mein erstes Praktikum in der Küche des Westküstenservice der Brücke SH absolvieren. Ursprünglich sollte das Praktikum bereits im April beginnen, drei Wochen länger dauern und nicht in Itzehoe stattfinden, aber durch Corona kam dann alles ganz anders.

Erst zwei Wochen vor meinem Start im WKS bekam ich Bescheid, wo ich die acht Wochen verbringen werde. Die Freude war einerseits natürlich groß, endlich in das erste Praktikum gehen zu dürfen. Andererseits fand ein Hospitationstag, der normalerweise vor jedem Praktikum gemacht wird, nicht statt. Demnach war die Aufregung sehr groß, weil ich vorher nicht einschätzen konnte, was mich erwarten wird.

An meinem ersten Tag kam ich sehr nervös in Itzehoe an. Im Eingangsbereich musste ich mich zuerst in eine Anwesenheitsliste eintragen und auf den Fluren bestand Maskenpflicht.
Corona war also schon deutlich zu spüren. Das Team in der Küche und die Teilnehmer*innen empfingen mich direkt sehr offen und freundlich, was mich beruhigte.

Dennoch war ich in meiner Anfangszeit in der Küche sehr unsicher und zurückhaltend.
Von den Teilnehmer*innen wurde ich zunächst angeleitet, sodass ich die Räumlichkeiten kennenlernen konnte und nach einiger Zeit auch wusste, wo ich was finde. Jedoch durften zu Beginn meines Praktikums gerade mal drei Teilnehmer*innen wieder arbeiten.
Auch in der Struktur machte sich Corona bemerkbar. Die Gegebenheiten waren ganz anders als normal. Es wurden weniger Essen gekocht, es waren weniger Teilnehmer*innen vor Ort, die begleitenden Angebote fanden nicht statt, der Sicherheitsabstand musste eingehalten werden und wenn das nicht möglich war, mussten Masken getragen werden. Auch bei der Ausgabe des Essens gab es Einschränkungen, beispielsweise gab es keine Selbstbedienung an der Salatbar und es durfte kein Kaffee ausgeschenkt werden. Die Strukturen aufgrund der Umstände mussten also erst einmal neu organisiert werden und fast jede Woche kamen neue Auflagen dazu. Die Anleiter*innen konnten diese Herausforderung sehr gut lösen und haben Neuigkeiten immer gut mit den Teilnehmer*innen kommuniziert.
Außerdem gab es mit den Beschäftigten einzeln Hygieneschulungen und auch in der Morgenrunde wurden die verstärkten Hygienemaßnahmen wiederholt. Es mussten
beispielsweise Handgriffe und die Tische in der Kantine mehrfach desinfiziert werden. Das alles gab, trotz der fehlenden gewohnten Struktur, Sicherheit.
In größeren Abständen durften immer mehr Teilnehmer*innen in die Werkstatt zurückkehren, was für mich bedeutete, dass ich mich immer wieder auf neue Menschen einstellen durfte. Nach der Hälfte meines Praktikums waren auch wieder die Hälfte der Teilnehmer*innen in der Küche.

In diese Zeit fiel auch meine Beobachtungsstunde, die meine Anleiter*innen, Karin Riewoldt und Wera Schlömer mit mir durchführten. Es war eine sehr gute Übung für meine Sichtstunde und hat mir dafür viel Sicherheit gegeben. Aber auch für meine generelle Arbeit mit den Teilnehmer*innen hat mir die Beobachtungsstunde Sicherheit gegeben. Ich bekam die Rückmeldung, dass ich meine Arbeit gut machte und das führte dazu, dass ich präsenter war und selbstbewusster wurde.

Zum Ende meines Praktikums durften alle Teilnehmer*innen wieder arbeiten, was zunächst auch eine Frage der Organisation war, da trotzdem noch der Sicherheitsabstand eingehalten werden musste und noch nicht wieder wie im Normalbetrieb gekocht wurde. Aber auch das konnte gut gelöst werden. Trotz aller Schwierigkeiten wurde immer das Beste für die Teilnehmer*innen aus allen Situationen gemacht. Es war sehr schön für mich zu beobachten, wie wohl sich die Teilnehmer*innen in der Hauswirtschaft des WKS fühlten. Es wurde viel miteinander gesprochen und offen kommuniziert, wie wichtig die Tagesstruktur, der Kontakt zu Anleiter*innen und Kolleg*innen und natürlich auch die Arbeitsaufgaben für jeden einzelnen Mitarbeiter sind.

Dank meiner Anleiter*innen, Ines Dau, Karin Riewoldt und Wera Schlömer und auch den Teilnehmer*innen aus der Hauswirtschaft, habe ich mich in meiner gesamten Zeit im WKS gut aufgehoben und sehr wohl gefühlt. Ich bin jeden Tag gerne dort gewesen, trotz der täglichen Fahrtzeit von Hamburg und wäre gerne noch ein paar Wochen länger geblieben.

Auch die Tatsache, dass ich im Rollstuhl sitze, spielte keine Rolle und ich wurde deswegen nie anders behandelt. Das gesamte Gebäude ist barrierefrei, in der Küche kam ich gut zurecht und wenn ich an etwas nicht drankam, war immer jemand da, der mir geholfen hat.

Aus meinem Praktikum kann ich viel für meine Ausbildung und die folgenden Praktika mitnehmen, was mir meine Anleiter*innen vermittelt haben. Aber auch über mich selbst und für mein Leben habe ich viel gelernt, beispielsweise wie ich Gelatine verwende und dass es sinnvoll ist, genau nach einem Rezept zu arbeiten.

Eines der wichtigsten Dinge, die mir das Praktikum unter diesen besonderen Umständen verdeutlicht hat, ist wie wichtig und bedeutungsvoll Arbeit und die damit verbundene Tagesstruktur für viele Menschen ist und dass es verheerend sein kann, wenn diese nicht
mehr gegeben ist.

Vielen Dank an alle und hoffentlich bis bald einmal.

Text: Fabiana Haß, Ergotherapie Schülerin MAH Asklepios Klinik Hamburg/Harburg

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