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Pressespiegel - Ein erfolgreiches Konzept: Das NetzWerk psychische Gesundheit
TK spezial Schleswig-Holstein, Ausgabe 02/2012 - Ein erfolgreiches Konzept: Das NetzWerk psychische Gesundheit

Glaubt man den Statistiken, haben Arzneimittelverordnungen, Krankschreibungen und Klinikaufenthalte wegen psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren gewaltig zugenommen. Während im ambulanten Bereich tendenziell eher leichte und mittlere Störungen behandelt werden, werden schwerere Fälle eher an den stationären Bereich überwiesen. Dies hat schwerwiegende Folgen -für die Patienten, die in vielen Fällen völlig unnötig für lange Zeit aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen werden und denen es nach einem stationären Aufenthalt umso schwerer fällt, in ihrem Alltag wieder Fuß zu fassen. Bei akuten Problemen ist für Betroffene schnelle Hilfe im ambulanten Bereich oft nicht erreichbar. Die Folge sind wiederholte Krankenhauseinweisungen im Krisenfall - auch in Fällen, die grundsätzlich ambulant behandelbar wären.

Seit April 2010 bietet die TK in Schleswig-Holstein mit dem „NetzWerk psychische Gesundheit" (NWpG) ein erfolgreiches Versorgungskonzept an, damit psychisch kranke Menschen in ihrem gewohnten Lebensumfeld behandelt werden können. Die TK und ihre Vertragspartner haben in Lübeck, Kiel, in den Kreisen Plön, Ostholstein, Stormarn, Pinneberg, Steinburg sowie in Neumünster und Umgebung ein ambulantes wohnortnahes Netzwerk aufgebaut, um psychisch erkrankte Menschen besser zu versorgen. Etwa 300 bei der TK versicherte Menschen werden derzeit im Netzwerk behandelt, weitere 180 haben Interesse an einer Teilnahme gezeigt.

Das NWpG stellt eine Ergänzung zur fachärztlichen Versorgung dar. Ein Team aus erfahrenen Ärzten, Sozialarbeitern, Fachpflegern und Therapeuten arbeitet dazu eng mit niedergelassenen Haus- oder Fachärzten sowie Psychotherapeuten zusammen. Durch diese Zusammenarbeit können Chronifizierungen psychischer Erkrankungen vermieden werden, gleichzeitig schafft das Netzwerk Anreize, um die Kluft zwischen dem ambulanten und stationären Bereich und zwischen medizinischen und sozialtherapeutischen Profis zum Nutzen des Patienten zu schließen trotz ihrer Erkrankung im gewohnten Lebensumfeld bleiben können - ambulant statt stationär.

Im Mittelpunkt des NWpG stehen die aufsuchende Betreuung zu Hause, die Erreichbarkeit des Behandlungsteams rund um die Uhr sowie Rückzugsräume, die die Patienten in einer Krise anstelle eines Klinikaufenthalts nutzen können. Bei Befragungen der teilnehmenden Patienten hat sich herausgestellt, dass gerade die 24-stündige Erreichbarkeit im Krisenfall eine effektive Hilfe darstellt.

Das NWpG wird in Schleswig-Holstein über die „Abitato Managementgesellschaft seelische Gesundheit gGmbH" organisiert. Beteiligte Gesellschafter sind die Brücke Schleswig-Holstein, Die Brücke Lübeck gGmbH und das Kieler Fenster e. V.
Weitere Informationen zum NWpG unter www.tk.de/lv-schleswigholstein, Webcode 209720.


Das NetzWerk ergänzt fachärztliche Versorgung

Vorteile des NetzWerks:
- Kontinuierlicher, persönlicher Kontakt zwischen Patient und seinem Bezugsbegleiter.
- Das Behandlungsteam ist rund um die Uhr erreichbar. Im Krisenfall reicht das Angebot von telefonischer Beratung bis hin zu sofortigen Hausbesuchen.
- Als Alternative zu einer stationären Aufnahme existieren Krisenpensionen, die in der Krise als geschützte Umgebung genutzt werden können und therapeutisch besetzt sind.
- Ist ein Klinikaufenthalt unvermeidbar, bleibt der Kontakt zum Bezugsbegleiter bestehen. Dieser kümmert sich um eine zeitnahe ambulante Weiterbehandlung.
- Patienten werden im gewohnten Lebensumfeld behandelt.


Kommentar

Wir brauchen eine problem- und bedarfsgerechte Versorgung für die Patienten und ihre Angehörigen. Wenn wir eine Betreuung anbieten, die direkt im Lebensumfeld der Betroffenen ansetzt und sicherstellt, dass sie schnell, unbürokratisch und zu jeder Zeit Hilfe in Anspruch nehmen können, ermöglichen wir auch psychisch kranken Menschen ein Leben in ihrem gewohnten Umfeld - ohne Angst, im Bedarfsfall allein zu sein. Wir brauchen ein Fallmanagement, das auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten ist und ihnen feste Ansprechpartner und Bezugspersonen bietet. Hier setzt das Netzwerk psychische Gesundheit an. Der Patient entscheidet, welche Hilfe er in welcher Situation benötigt.

Wir ziehen nach zwei Jahren eine positive Zwischenbilanz. Teilnehmende Patienten bestätigen uns mit ihrer Zufriedenheit, dass wie auf dem richtigen Weg sind. Schrittweise werden wir das Netz ausweiten. Zwischenzeitlich haben die DAK Gesundheit, die KKH Allianz, die Bundesknappschaft und einige Betriebskrankenkassen das Konzept übernommen.

Wichtig ist, dass alle Beteiligten, zum Beispiel Ärzte, Psychotherapeuten, Soziotherapeuten und - soweit nötig - auch Kliniken zusammenarbeiten, um eine optimale Versorgung sicherzustellen. Wir wünschen uns eine noch breitere Vernetzung und mehr Unterstützung von niedergelassenen Ärzten und Kliniken. Eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens im Bereich Psychiatrie kann nur gelingen, wenn ambulante und stationäre Leistungserbringer sowie Kostenträger an einem Strang ziehen. Nur wenn wir einen sektorenübergreifenden Versorgungspakt schließen, werden wir auch strukturpolitische Änderungen erreichen.

Frederike Schwarz
Referentin für ambulante Versorgung
TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein

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