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Pressespiegel - Geschlossene Heime - auch eine politische Herausforderung - ein Kommentar zur aktuellen Debatte VON LIANE JUNGE
Soziale Psychiatrie, Ausgabe 03/2012 - Geschlossene Heime - auch eine politische Herausforderung
Für eine Versorgungsverpflichtung der Kreise und der Gemeindepsychiatrie und ein Ende des Psychiatrietourismus - ein Kommentar zur aktuellen Debatte
VON LIANE JUNGE

Zusammen mit 300 Fachleuten aus ganz Deutschland nahm ich Ende März an der Tagung "Verantwortung übernehmen für die Schwierigsten! Brauchen wir dazu die
geschlossene Heimunterbringung ?" teil.

Die Rufe nach geschlossener Heimunterbringung für betreute Menschen auf der Grundlage des § 1906 BGB werden immer lauter und zahlreicher. Die gegenwärtige Diskussion bewegt sich im Spannungsfeld
von pro und kontra ganz generell und unter den Befürwortern wiederum zwischen "ideal" im Sinne des Unterbringungsgesetzes und Praxiswirklichkeit. Die Suche nach adäquaten Lösungsansätzen, wie den Menschen
mit besonderem Hilfebedarf nach Schutz vor sich selbst oder auch zur Gefahrenabwehr gegenüber Dritten fachlich und ethisch sinnvoll entsprochen werden kann, brennt Einrichtungen, Betreuern, Juristinnen, Krankenkassen,
Trägem etc. unter den Nägeln - aus jeweils spezifischer Perspektive. In sechs Arbeitsgruppen, diversen Vorträgen, Fachdiskussionen und mit Best-Practice-Beispielen debattierten wir eineinhalb intensive Tage lang.

Ich gebe zu, während der Tagung fuhren meine Gefühle ganz schön Achterbahn: zwischen meiner Überzeugung, dass es derzeit keine andere Lösung für "die Schwierigsten" gibt, die ja immer auch einen Neustart bedeuten
kann, und gleichzeitig dem Zweifel daüber, ob wirklich alles ausgeschöpft wurde, um für die betroffenen Menschen eine Unterbringung nach § 1906 BGB zu vermeiden.

Jetzt, mit etwas Abstand und vor dem Hintergrund unserer Arbeit in Heide (Kreis Dithmarschen, Schleswig-Holstein; siehe auch Kasten), hat sich meine Perspektive zu der Thematik teils bestätigt, teils neu geordnet.

Ja, auch ich will keine geschlossenen Einrichtungen als Standard, schon gar keine Rieseneinrichtungen. Und ja, auch ich widme mein Berufsleben grundsätzlich dem Vorsatz "ambulant vor stationär". Ich stelle daneben
aber auch fest, dass auch in offenen Wohnheimen der Belegungsdruck und die Sicherung der Arbeitsplätze eine Rehabilitation der Betreuten zumindest behindern können. Nicht selten sind es Routine, der fehlende
Blick über den Tellerrand, eine immer enger werdende Personaldecke und bürokratische Hürden und Auflagen, die Prozesse, die zu mehr Selbstständigkeit und Teilhabe führen sollen, behindern. Es fehlt zunehmend an Risikobereitschaft,
personenzentriert auchwirklich Neues auszuprobieren, da auch das Hilfesystem mit Fachleistungsstunden, Modulen, wachsender Bürokratie und Verwaltungsaufwand immer starrer wird. Und nicht zuletzt sind unter den Bewohnern und
Bewohnerinnen vollstationärer oder teilstationärer Angebote auch einige, die einfach bleiben wollen, weil sie hier Sicherheit, Heimat und Ruhe finden, und die aus persönlicher Sicht dort, wo sie sind, ausreichend inkludiert sind.

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