LOGO Brücke SH
PRESSE - BRüCKE SH üBERREGIONAL
Stefan Meyer-Kaven
Stefan Meyer-Kaven
Stefan Meyer-Kaven: Mein Buch-Tipp + ebook: Ambulant statt stationär
SOZIALwirtschaft, Ausgabe 5/2011

Personenorientierte und finanzierbare Hilfen

SOZIALwirtschaft fragt regelmäßig Experten der Branche, welches Buch sie in ihrer Arbeit am meisten beeinflusst hat.

"Ambulant vor stationär" und "Erst platzieren, dann qualifizieren" sind Leitsätze meiner beruflichen Anfänge und Weiterentwicklung bei der Brücke Schleswig-Holstein. Erst als Leiter eines psychosozialen Rehabilitationsverbundes für Menschen mit psychischer Behinderung, dann als Referent für Berufliche Integration. Mein Tun sowie das meiner Kolleginnen und Kollegen in der Gemeindepsychiatrie blieb über lange Jahre ausgerichtet auf komplementäre Hilfeangebote in einer gespalteten, viel zu oft parallel und aneinander vorbei behandelnden Versorgungsstruktur.

Mit der gesetzlich festgeschriebenen Einführung der Integrierten Versorgung ist die Gemeindepsychiatrie endlich aufgewertet. Jetzt wird umgesetzt, was betroffene psychisch kranke Menschen, Angehörige, Fachleute und Verbände seit langem fordern: Vernetzt werden Akutbehandlung, ambulante Versorgung und Lebenswelt. Vor Jahren noch undenkbar, wird "ambulant statt stationär" mittlerweile von Anbietern gemeindepsychiatrischer Leistungen bundesweit umgesetzt.

Das Buch "Ambulant statt stationär. Psychiatrische Behandlung durch integrierte Versorgung" beeinflusst meine berufliche Tätigkeit aktuell. Aus unterschiedlicher Sicht verdeutlichen die Autorinnen und Autoren, dass und wie die Integrierte Versorgung ideale Voraussetzung ist, um personenorientierte und finanzierbare Konzepte der Gemeindepsychiatrie umzusetzen. Berücksichtigt und aufeinander abgestimmt sind aufsuchende Hilfe, Behandlung des erkrankten Menschen im eigenen Zuhause, Nutzung von Rückzugsräumen im Krisenfall, verpflichtendes Fallmanagement, Einbindung von geschulten Psychiatrie-Erfahrenen als bezahlte Mitarbeitende sowie Angehörige um nur einige Kennzeichen zu nennen. Auch für Krankenkassen ist der Behandlungspfad - ambulant statt stationär - adäquates Mittel der Zeit.

Stationäre Behandlungskosten steigen seit Jahren und zeigen kaum Heilungseffekte. So erlebe ich, im Rahmen meiner heutigen Tätigkeit als Geschäftsführer, bei meinen Verhandlungen mit Krankenkassen über integrierte Versorgungsverträge immer häufiger, dass meine Gesprächspartner das Buch "Ambulant statt stationär" intensiv gelesen haben und diesen Ansatz als sinnvolle Alternative zu einer stationären Behandlung von Menschen mit einer psychischen Erkrankung beschreiten wollen.

Wolfgang Faulbaum-Decke, Christian Zechert (Hg.): Ambulant statt stationär. Psychiatrische Behandlung durch integrierte Versorgung. PsychiatrieVerlag, Bonn 2010. 176 Seiten. 29,95 Euro. ISBN 978-3-88414-505-0.

http://www.psychiatrie-verlag.de/buecher/detail/book-detail/ambulant-statt-stationaer-ebook.html

von Stefan Meyer-Kaven

Stefan Meyer-Kaven ist Sozialpädagoge und Kinder- und Jugendpsychotherapeut. Als Geschäftsführer leitet er die abitato Managementgesellschaft seelische Gesundheit gGmbH in Kiel. Das Unternehmen bietet in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse ein Netzwerk von aufeinander abgestimmten individuell ausgerichteten Hilfen für psychisch kranke Menschen in Hamburg und Schleswig-Holstein an. Der Begriff "abitato" kommt aus dem Italienischen und steht für Ortschaft oder Siedlung. Internet http://www.abitato.de

Copyright © 2017 Brücke SH - Alle Rechte vorbehalten. www.bruecke-sh.de
CSS ist valide!