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Pressespiegel - Keine Mecker-Plattform, sondern Vertrauenssache
Eppendorfer, 9/2011

Innovationsstiftung greift neuartigem schleswig-holsteinischem Pflegeportal unter die Arme/Verbraucherzentrale: Internet nur als Zusatzquelle nutzen

Bei der Suche nach einem Feriendomizil ist es längst normal: Wir klicken ins Internet. Auch Ärzte lassen sich so finden - ist das sinnvoll? Außerdem kommen neue Portale hinzu, die einen Überblick über die Pflege geben wollen. Jüngstes Beispiel ist die Seite ,"Pflege ist Vertrauenssache", die ein Kieler Betriebswirt aufbaut.

KIEL. Die Bundes-Verbraucherzentrale empfiehlt, solche Portale nur als zusätzliche Quelle zu nutzen. Grundsätzlich sei manches an Bewertungsportalen kritisch zu sehen, sagt auch die Stiftung Warentest. Die Trennung zwischen Werbung und Inhalt sei oft nicht klar. Auch sei für die Nutzer nicht immer deutlich, ob Einrichtungen sich selbst bewerten können, ohne das dies erkennbar ist. Dennoch würden solche Portale weiterhelfen, denn Nutzer könnten durchaus gut beurteilen, ob ein Pflegeanbieter gut organisiert sei, ob sich Mitarbeiter Zeit nehmen, Dinge erklären.

Pflege ist Vertrauenssache. Und dieses Vertrauen entsteht durch einen offenen Umgang miteinander, durch positive Rückmeldungen, durch viele Informationen, ist Clemens Meyer-Holz überzeugt. Der 26-Jährige hat an der Kieler Universität gerade ein Studium der Betriebswirtschaft abgeschlossen. Zusammen mit einem kleinen Team hat er die Internetplattform"www.pflege-ist-vertrauenssache.de" aufgebaut. Dies überzeugte auch die lnnovationsstiftung Schleswig-Holstein, die das Projekt finanziell fördert.

Gerade in seiner Generation sei der Klick ins Netz - oft mal eben schnell über das Smartphone - alltäglich, sagt Clemens Meyer-Holz. Warum soll es Informationen und Einblicke nicht auch für Pflegeheime und Dienstleister in diesem Bereich geben, fragte er sich. Er verbindet dabei einen ganz individuellen betriebswirtschaftlichen Blick mit den Erfahrungen seiner pflegebedürftigen Großeltern.

Clemens Meyer-Holz spricht von den hohen Kosten, die in der Pflegestufe 3 für einen Platz in einer Pflegeeinrichtung gezahlt werden müssen, von den dagegen vergleichsweise niedrigen Gehältern der Pflegekräfte, der mitunter schlechten baulichen Ausstattung der Häuser, dem einfachen Essen, der fehlenden menschlichen Komponente - und den zum Teil hohen Gewinnen der Betreiber. "Diese Rechnung geht nicht immer auf." Und er kennt aus eigener Erfahrung die Schwierigkeiten, sich Informationen über die Qualität der Einrichtungen zu besorgen. Zwar werden die Einrichtungen jährlich vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) überprüft und mit den Schulnoten von eins bis fünf bewertet - und diese Infos sind auch im Web veröffentlicht. (www.pflegelotse.de oder www.pflegenoten.de).

Dennoch: So wichtig dieser freie Zugang zu diesen Informationen sei, es sei ihm zu wenig, erklärt Clemens Meyer-Holz. Seine Idee: Diese Informationen zu ergänzen. Dafür hat er zusammen mit der �"rztin Ann-Christin Börner (sie promoviert derzeit an der Kieler Universität) und der Pflegefachfrau Lisa Dietermann aus Berlin das Portal "Pflege-ist-Vertrauenssache" entwickelt, das seit einigen Wochen freigeschaltet ist. Der Ansatz: Einrichtungen können ihr Profil selbst vorstellen. Angehörige sollen ihre Erfahrungen beitragen und diese ins Netz stellen. Außerdem kommen für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen weitere Infos über Dienstleister hinzu. Alle Angaben will das Team überprüfen, bevor sie freigeschaltet werden, sagt der 26-Jährige. Bereits einige Krankenkassen arbeiten an dem Projekt mit, die sozialpsychiatrische Einrichtung Brücke Schleswig-Holstein ebenso wie das DRK in Bad Segeberg. Hochschuldozenten von fünf verschiedenen Universitäten - aus Kiel (Fachhochschule), Berlin (Alice-Salomon-Schule) und München (TU) - klinken sich ebenfalls mit ein. Ihr Ziel: Nicht eine Mecker-Plattform, nicht ein Werbeforum, sondern einen echten Einblick mit Informationen rund um Pflege, Gesundheit, zu liefern, in dem es auch um Qualität und Wertschätzung geht.

Was ist für Pflegeanbieter die Motivation, mitzumachen, sich bewerten zu lassen? Clemens Meyer-Holz: "Viele geben das Beste für ihre Bewohner oder Patienten, bekommen auch Lob von Angehörigen und sind es leid, dass die Pflegebranche durch einige schwarze Schafe in Misskredit kommt."

Finanziert wurde die Entwicklung der Plattform zu großen Teilen durch das Gründerstipendium der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein. Nutzer wie auch die Anbieter stationärer und ambulanter Pflege sollen ihre Angaben kostenlos einstellen können, Dienstleister müssten einen Kostenbeitrag erbringen. Außerdem werden noch Sponsoren gesucht, wie Clemens Meyer-Holz erläutert. Ziel ist, bundesweite Inhalte zu bieten. Dennoch startete das Portal mit Informationen über Kiel und Umland sowie die Region Oldenburg, da die Familie von Clemens Meyer-Holz dort lebt. "Natürlich hängt die Qualität und Aussagekraft auch stark von den eingestellten Inhalten ab", sagt Meyer-Holz. Sein Ansatz: Je mehr Informationen vorliegen, desto eher kann sich der Nutzer selbst ein Bild machen - wohlwissend, dass die Inhalte auch subjektive Sichtweisen wiedergeben.

Annemarie Heckmann

Kontakt und Information: www.pflege-ist-vertrauenssache.de; Telefon: 0176-24 84 6114.


Weitere Informationen unter: www.eppendorfer.de

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