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PRESSE - BRüCKE SH üBERREGIONAL
Robert Schenk
Robert Schenk
Pressespiegel
Gesundheitsland Schleswig-Holstein Jahrbuch 2010/2011 aus dem November 2010 – Die seelische Gesundheit im Arbeitsleben erhalten - Diagnose: Erschöpfungsdepression

Zuerst verfliegt die Euphorie bei der Arbeit, dann werden die Klienten und Kollegen zur Last. Betroffene vergessen wichtige Termine und vernachlässigen ihre Arbeit. Sie fühlen sich kraftlos und leer und können sich auch zu Hause nicht entspannen, denn die Sorgen vom Arbeitsplatz nehmen sie dorthin mit. So erging es auch einem Sozialpädagogen bei der Brücke Schleswig-Holstein gGmbH. Am Ende schaffte er es nicht einmal mehr, zu seinem Arbeitsplatz zu fahren, und ließ sich krankschreiben - Diagnose: Erschöpfungsdepression.

Diese Art der Depression erleben heutzutage viele Arbeitnehmer, die wegen der vielfältigen beruflichen und persönlichen Überforderungen in eine Sackgasse geraten. Rund 30 Prozent der Deutschen erkranken innerhalb eines Jahres an einer diagnostizierbaren psychischen Störung. Am häufigsten leiden Arbeitnehmer an Depressionen, Angststörungen, psychosomatischen Erkrankungen und Suchterkrankungen. Der Anteil psychischer Erkrankungen an der Arbeitsunfähigkeit nimmt seit 1980 kontinuierlich zu und beträgt zwischen 15 und 20 Prozent. Psychische Erkrankungen sind inzwischen die häufigste Ursache für eine vorzeitige Verrentung. Besonders Angehörige sozialer Berufe sind gefährdet, weil die eigene Person als Arbeitskraft nirgendwo sonst so im Mittelpunkt steht wie bei der Arbeit mit Menschen.

Werte verknüpfen
Seit 25 Jahren ist es die Aufgabe der Brücke Schleswig-Holstein gGmbH (Brücke SH) die Lebenssituation von Menschen mit seelischen Erkrankungen und Behinderungen nachhaltig zu verbessern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen ihre Klienten in deren seelischer Stabilisierung und Genesung und der Selbstbefähigung, Autonomie und Verantwortung für das eigene Leben. Dahinter stehen fachliche Konzepte, die in der Fachsprache mit Begriffen wie Empowerment, Recovery, personenzentrierte Hilfen und Salutogenese umschrieben werden.

Aber wer unterstützt die Mitarbeiter? Die Brücke SH übernimmt als Arbeitgeber diese Verantwortung. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Attraktivität als Arbeitgeber, der Zufriedenheit der Mitarbeitenden, der Qualität der Dienstleitungen und einer Zustandsverbesserung der Klienten. Nur zufriedene Mitarbeiter, die sich bei der Erledigung ihrer Aufgaben von ihren Vorgesetzten und Kollegen sowie durch die Strukturen und Prozesse in der Organisation unterstützt fühlen, erleben Freude an der Wirksamkeit ihres Handelns, sind belastbar und bleiben gesund.

Das heißt, dass am Arbeitsplatz die Prinzipien der Selbstorganisation, Mitarbeiterförderung, Chancengleichheit sowie eine offene Kommunikation und der wertschätzende Umgang einen zentralen Stellenwert haben. Die Autonomie von Teams und die Solidarität zwischen den Teams sind ebenso wichtig.

Diese Werte sollen auf die eigene Person, die Arbeitsbeziehungen und das Personalmanagement angewendet werden, denn alle Beteiligten tragen ihren Anteil zu angenehmen Arbeitsbedingungen bei. So liegt auch bei der Personalführung Verantwortung, diese Werte gegenüber den Mitarbeitenden einzuhalten. Denn wenn die Werte nicht übereinstimmen und übertragen werden, schwinden die Glaubwürdigkeit der Führung und das Vertrauen der Mitarbeitenden rapide.

Wohlfühlen am Arbeitsplatz
Die Brücke SH hat in den vergangenen Jahren stetig an einer Verbesserung der Arbeitsplatzbedingungen gearbeitet. Mit hohen Zufriedenheitswerten bei den Mitarbeitenden und den Nutzern der Angebote wurden die Bemühungen belohnt. Die Brücke SH hat sich als familienfreundliches Unternehmen zertifizieren lassen und die Auszeichnung als" Bester Arbeitgeber im Gesundheitswesen" durch das Great PIace to Worke Institute erhalten. Im Grunde lautet die einfache Einsicht: Wer in der Betreuung psychisch Kranker selbst gesund bleiben will, muss sich an seinem Arbeitsplatz wohlfühlen können. Die Bereitstellung entwicklungsfördernder Ressourcen wie eine systematische Einarbeitung, regelmäßige Mitarbeitergespräche, individuelle Gestaltungsspielräume an jedem Arbeitsplatz sowie Coachings und Supervision, aber auch betriebliche Hilfen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie - um nur einige Bausteine zu nennen - sind mittlerweile unverzichtbare Standards der Gesundheitsvorsorge im Betrieb geworden.

Da bei der psychiatrischen Arbeit die Gefahren der psychischen Fehlbelastung bei den Mitarbeitenden besonders groß sind, kommt der Förderung eines gesunden Lebensstils und eines gesunden Arbeitsverhaltens eine besondere Bedeutung zu. Deshalb veranstaltet die Brücke SH regionale Gesundheitstage, bei denen die Mitarbeitenden zahlreiche Anregungen zur Gesundheitsförderung von Körper, Geist und Seele erhalten. Unterstützt werden die Mitarbeitenden auch mit betrieblichen Angeboten zur Weiterqualifizierung und verschiedenen Gesundheitskursen.

Leben im Gleichgewicht
Von diesen Angeboten konnte auch der Sozialpädagoge profitieren. Die Brücke SH wollte ihren erfahrenen und angesehenen Mitarbeiter nicht verlieren. Gemeinsam fanden sie im Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements einen Weg, seinen Aufgaben- und Verantwortungsbereich und seine Arbeitszeiten so anzupassen, dass er nach vier Monaten die Arbeit wieder aufnehmen konnte. Über eine stufenweise Wiedereingliederung bekam er die Gelegenheit, sich mit Unterstützung seiner Vorgesetzten schrittweise in die neue Arbeitsaufgabe einzuarbeiten. In einem Kurs zur Burn-Out-Prophylaxe und einer Supervisionsgruppe konnte er lernen, auf sich selbst zu achten, die individuellen Frühwarnzeichen einer beginnenden Überforderung zu erkennen und ihnen rechtzeitig gegenzusteuern. Heute lebt er wieder im Gleichgewicht und geht gern zur Arbeit.

Robert Schenk, Personalleiter/Mitglied der Geschäftsleitung,
Brücke Schleswig-Holstein gGmbH

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