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PRESSE - BRüCKE SH üBERREGIONAL
Pressespiegel
Der Paritätische 02/2009 - Gute Noten für den Arbeitgeber Gute Noten für den Arbeitgeber

Brücke Schleswig-Holstein als "Great Place to Work" ausgezeichnet

Das sind Traumwerte: 90 Prozent der Beschäftigten sind stolz auf das, was sie tun. 84 Prozent finden die Arbeitsatmosphäre gut, und 87 Prozent sa­gen, dass ihre Vorgesetzten ihnen vertrauen. Die Brücke Schleswig-Holstein gGmbH, kurz Brücke SH, die zahlreiche sozialpsychiatrische Hilfen anbietet, darf sich deshalb einen "Great Place to Work" nennen. Bei einem freiwilligen Audit belegte das Unternehmen den ersten Platz unter den mittelständi­schen Unternehmen im Gesundheitswesen.

Manche ihrer Freunde sind durchaus neidisch, wenn Christin Gehrke und Martina Bitterlich erzählen, wo sie arbeiten. Nicht nur dass es eine Stadtvilla mit großem Garten mitten in Kiel ist, in der sie neun psychisch kranke Jugend­liche im Alter zwischen 16 und 21 Jah­ren betreuen. Nein, sie erzählen auch, dass sie im Team eng zusammenarbei­ten und sich offen über alles austau­schen, was anliegt. Etwa, wenn sie un­sicher sind, wie sie mit plötzlichen Gefühlsausbrüchen oder Angstattacken der jugendlichen umgehen sollen. Und sie erzählen, dass sie jeden Tag spüren, wie wichtig ihre Arbeit ist.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Brücke SH arbeiten für Menschen, die psychisch krank oder beeinträchtigt sind oder eine Suchterkrankung haben. Ob sie ambulant oder stationär helfen, ihre Aufgabe ist überall die gleiche: Sie begleiten die Menschen bei allen Schrit­ten zurück ins Leben - in deren Tempo. Sie geben ihnen Zuversicht, ohne sie zu schubsen oder zu schonen. Das ist an­strengend und kann an Grenzen füh­ren. "Man ist so eine Art Sparringspart­ner", sagt Personalleiter Robert Schenk, der früher selbst psychisch kranke Menschen betreut hat. Man müsse sich auch mal beschimpfen lassen, Konflik­te schlichten oder Menschen in Krisen begleiten. Schenk weiß: Wer da sein Herz offen behalten und nicht abstump­fen will, der muss gut für sich selbst sorgen.
Für Robert Schenk und Personalrefe­rentin Petra Kaiser heißt das: Die Mitarbeitenden sollen sich wohlfühlen, keinen Stress mit den Kollegen haben, Verantwortung übernehmen und ler­nen, sich auf klare Strukturen verlas­sen und beteiligt werden. So gestalten sie zum Beispiel die Arbeitzeiten so flexibel es irgend geht, damit alle ihre Arbeit und Familie problemlos unter einen Hut bekommen, was natürlich von allen Beteiligten viel Bereitschaft zur Flexibilität erfordert (Siehe auch Kasten auf Seite 10). Alle Mitarbeiten­den haben ein Arbeitszeitkonto, auf dem sie 77 Stunden ansparen und spä­ter "abbummeln" oder bis zu 77 Stun­den Zeitschulden anhäufen können. "Das geht natürlich nur in Absprache mit dem Team", sagt Kaiser. Um allen gerecht zu werden, tüftelt die Brücke SH derzeit in regionalen Workshops an noch besseren Arbeitszeit-Modellen.
Auch die Mitarbeiterinnen und Mitar­beiter der Brücke SH spüren, dass sich die Arbeit verdichtet und belastender wird - wie fast überall im sozialen Be­reich. "Der beste Schutz vor Überforde­rung ist Qualifizierung", erklärt Robert Schenk. So durchläuft jede Fachkraft, die neu eingestellt wird, eine sozialpsy­chiatrische Ausbildung. Pro Jahr sind für jede und jeden vier Tage Fortbildung vorgesehen. Auch wenn jemand eine teure Zusatzausbildung, etwa zum sys­temischen Berater, absolvieren möchte, finanziert die Brücke SH 90 Prozent. Außerdem leistet sie sich für alle Teams regelmäßige Supervisionen.

Qualität sichert die Marktposition
Die beiden Mitarbeiterinnen in der Ju­gendvilla Lornsenstraße schätzen das. Die Supervision hilft ihnen, sich abzu­grenzen und gut miteinander zu arbei­ten. "Die Jugendlichen würden mer­ken, wenn wir nicht einig sind", sagt Christin Gehrke: "Das ist wie in der Familie". Die Erzieherin hat in ihrer dreijährigen sozialpsychiatrischen Zu­satzausbildung ihre eigene Grundhal­tung entwickelt, die sie im Umgang mit den jugendlichen leitet: Sie unter­stützt sie dabei, ihre eigenen Ziele zu suchen, zu finden und zu verwirkli­chen. Sie kennt nun den theoretischen Hintergrund von verschiedenen Thera­pien und weiß, wie Medikamente bei psychischen Störungen wirken. "Ich kann jederzeit sagen, wenn ich Fortbil­dungsbedarf habe", sagt sie. Darüber ist sie froh. Ihre Kollegin Martina Bit­terlich hat eine Fortbildung zur Dialektisch-Behavioralen Therapie absolviert. Die Sozialpädagogin kann jetzt ju­gendlichen besser helfen, mit ihren inneren Spannungen und Gefühlsaus­brüchen umzugehen: So lernen sie, ihre Beziehungen neu zu gestalten.
Seit Mitte der 90er Jahre befragt die Brücke SH regelmäßig die Beschäftig­ten, wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit sind. Die Entscheidung, nun auch noch das "Great Place to Work"-Audit eines Forschungs- und Beratungs­unternehmens mit Stammsitz in den USA durchzuführen, fiel aus mehre­ren Gründen: Die Brücke SH will wis­sen, wo sie bundesweit im Vergleich zu anderen Gesundheitseinrichtungen steht. Sie will im Markt mit Qualität statt Dumpingpreisen bestehen. Und sie will die Nase vorn haben, wenn sie gute Fachkräfte sucht. So wirbt sie jetzt in Stellenanzeigen mit der Auszeich­nung. Die Bewerber sehen das sehr wohl. "Wir hoffen, dass es auch die Kostenträger registrieren", sagt Petra Kaiser. Mit Schrecken blicken sie und ihr Kollege auf Billiganbieter und die Spirale von Kostendämpfung und Qua­litätsverlust. Sie halten dagegen. Es sei viel günstiger, psychisch kranke Men­schen vor einer Frühverrentung zu be­wahren - mithilfe gut ausgebildeter und zufriedener Mitarbeiter. Mit dem Markenzeichen "Great Place to Work" dokumentieren sie: "Wir sind unseren Preis wert".

Gerlinde Geffers

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